Wir trauern um einen Kämpfer und ein jahrelang führendes Mitglieder der Mieter/Bürgerinitiative Hallschlag

Fasanenhof

Archivfoto Frau Frey Cannstatter Zeitung

Am 8.5.2014 ist Karl Meier im Alter von 74 Jahren gestorben. Ab 1952 wohnte Karl Meier im Hallschlag, unterbrochen von 11 Jahren Auslandsaufenthalten in Australien und Afrika. In Afrika war er acht Jahre lange für kirchliche, internationale Hilfsorganisationen und zu letzt für die Vereinten Nationen im vom Bürgerkrieg geplagten Süd-Sudan tätig. Dort war Karl mit der Grausamkeit des Krieges hautnah konfrontiert. Gleichzeitig hat Karl immer wieder begeistert von der Gastfreundschaft und dem herzlichen Umgang der Menschen untereinander gesprochen. Deshalb war es ein Traum von ihm irgendwann nach Afrika zurück zu kehren.

Karl Meier gehört zu den Urgesteinen der SWSG-Mieterinitiativen. In all den Jahren, in denen er im Hallschlag gelebt hat, hat er sich immer für Bewohner- und Mieterinteressen engagiert. Im Jahr 2003 kämpfte die Mieterinitiative zusammen mit einem Anwalt dafür, dass von der SWSG doppelt abgerechnete Wasserkosten zurückerstattet werden mussten. Das waren 15.000 Euro für 20 Mieter. Der Anwalt betrachtete die falsche Betriebskostenabrechnung als „hart an der Grenze zum Vorsatz und Betrug“. Karl Meier kritisierte die SWSG öffentlich dafür, dass sie 2002 durch von Mietern angelegte Gärten durch ein Rollkommando roden ließ.

Karl Meier sah im Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik und der Reiterkaserne „die letzten Freiräume und Nutzungsmöglichkeiten für den Hallschlag“ und er war dagegen, dass hier die Profitinteressen von Investoren durchgesetzt wurden. Gegenüber dem Projekt „Soziale Stadt“, war er von Anfang kritisch eingestellt, weil er befürchtete, dass die Aufwertung des Hallschlags zur Explosion der Mieten und zur Vertreibung der Mieter führen würde. Als vorhandene Sitzbänke abmontiert wurden, empörte er sich und forderte immer wieder, dass die Bänke wieder aufgestellt werden. Eine Mieterversammlung im Januar 2009 mit um die 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die Initialzündung zur Wiedergründung einer Mieter/Bürgerinitiative. Im Februar 2011 gehörte Karl Meier zu den gewählten Vorstandsmitglieder der Mieter/Bürgerinitiative Hallschlag e.V. Aufgrund seines Schlaganfalls konnte er seine bis dahin führende Rolle leider nicht mehr ausführen.

Ohne das jahrelange Engagement von Karl Meier und ohne seine Initiative zur Reorganisierung der Mieterinitiative im Jahre 2009 würde es die Mieter/Bürgerinitiative Hallschlag und die vielen seither erstrittenen Erfolge nicht geben.

Aufgrund seiner schmalen Rente wurde Karl Meier selbst Opfer der Mietpreistreiberei der SWSG und musste schließlich seine Wohnung in der Düsseldorfer Straße räumen.

Wir verlieren mit Karl Meier einen wertvollen Kämpfer, herzlichen Nachbar und Weggefährten.

Bei der Beisetzung von Karl Meier auf dem Hauptfriedhof am 4. 7. 2014 waren einige Mieter aus dem Hallschlag dabei. Ursel Beck hielt im Namen der Mieterinitiative eine kurze Gedenkrede. Auf dem Grabstein von Karl Meier steht: „Kämpfer für Gerechtigkeit“.