Mieterinitiativen Stuttgart verlangen Erhalt von Altbauten

Presseerklärung der Mieterinitiativen Stuttgart vom 9.April 2014

Wohnungsgesellschaften räumen in Stuttgart in großem Stil ältere erhaltenswerte Mietshäuser durch Abrissbagger vom Markt. In Sanierungs- bzw. „Soziale-Stadt“- Gebieten übernimmt die Stadt sogar die Abrisskosten und ist mit verantwortlich für die Vernichtung der wenigen noch übrigen preisgünstigen Wohnungen. Diesen Vorwurf erheben die Mieterinitiativen Stuttgart. Sie fordern den Erhalt von Altgebäuden mit guter Bausubstanz und verlangen, dass die Stadt die Übernahme der Abrisskosten sofort stoppt.
Auf Druck der Mieterinitiative Stuttgart-Ost wurde der Abriss der Beer-Siedlung in der Wagenburgstraße verhindert. Die Lokalpresse berichtete ausführlich.

In der Nähe der Beer-Siedlung werden in diesen Tagen die Häuser Am Klingenbach 41 – 43 und Schönbühlstr. 83 – 85 abgerissen.

Die Häuser Klingenstraße 101 bis 105 werden derzeit für den Abriss entmietet. Die noch gut erhaltenen Häuser sollen teueren Neubauten weichen. Der Bau- und Wohnungsverein, dem die Häuser gehören, begründet seine Abrisspläne ebenfalls mit der schlechter Bausubstanz. Allerdings wurden Nachbarhäuser aus dem gleichen Baujahr und der gleichen Bauart vor einigen Jahren instandgesetzt und modernisiert.

Weil sich die Mieterinitiativen nicht länger mit dem Argument „schlechte Baubsubstanz“ abfinden lassen wollen, haben sie exemplarisch für die vom Abriss bedrohten Gebäude in der Klingenstraße 101 bis 105 von einem Gebäudesachverständigen ein Gutachten erstellen lassen. Dieses Gutachten (pdf 4,5 MB) liegt seit 6.4.2014 vor. Es kommt zu dem Schluss, dass die Wohnungsgesellschaft die Instandhaltung der Gebäude stark vernachlässigt hat, dass es aber keine „größere Beschädigung der Bausubstanz“ gebe. „Das ist typisch. Viele Wohnungsgesellschaften kommen ihrer gesetzlichen Instandhaltungsverpflichtung nicht nach. Sie sacken die ganze Kaltmiete als Gewinn ein. Nach ein paar Jahrzehnten werden die Gebäude mit dem Argument schlechter Bausubstanz abgerissen, um Neubauten mit doppelt oder dreimal so hoher Miete hinzustellen. So werden auf dem Immobiliensektor auf Kosten der Mieter und der Allgemeinheit Profite maximiert und der Mietpreisspiegel in die Höhe getrieben“ kritisiert Ursel Beck von den Mieterinitiativen Stuttgart. Hinzu käme, dass durch die Entmietung der Häuser viele Wohnungen oft jahrelang leer stünden. Nach Ansicht der Mieterinitiativen beteiligt sich auch die SWSG an diesem Geschäft. Als Beispiel nennen die Mieterinitiativen die in den 50er Jahren gebauten Häuser in der Olnhauser Straße in Zuffenhausen-Rot, deren Abriss begonnen wurde.
Durch eine Erneuerung von Heizung, Wasser- Elektroinstallationen und Reparaturen an der Fassade können nach Ansicht der Mieterinitiativen die Mietwohnungen in der Klingenstraße, deren Kaltmiete derzeit bei 4 bis 5 Euro liegen, als preisgünstiger Wohnraum erhalten bleiben. Bei den vom Bau- und Wohnungsverein gebauten neuen Häusern in der Rotenberg-/Raitelsbergstraße liegen die Kaltmieten bei 10,50 Euro.
Das den Mieterinitiativen Stuttgart vorliegende Gutachten zur Klingenstraße beinhaltet auch die Feststellung, dass Gebäude, wie das in der Klingenstraße, die 1928 bis 1930 gebaut wurden, aufgrund ihres „handwerklich guten Baustandards“ von damals qualitativ höherwertiger sind und eine längere Lebensdauer besitzen, als neu erstellte Gebäude. Der sorgsame Umgang mit Ressourcen widerspreche einem vorzeitigen Abriss.

Unterstützung bekommen die Mieterinitiativen Stuttgart von Dipl. Ing. und Freier Architekt Utz Rockenbauch, Mitglied im Bezirksbeirat Ost für SÖS: „Es ist nicht zu fassen, wie viel Häuser mit guter Bausubstanz hier im Osten leer stehen oder abgerissen werden sollen. Gleichzeitig suchen viele Menschen verzweifelt eine preisgünstige Wohnung. So darf nicht mit den Menschen und nicht mit den Ressourcen umgegangen werden. Wohnen ist ein Menschenrecht. Es darf nicht auf dem Altar der Immobilienspekulation geopfert werden.“

Rückfragen

Ursel Beck, ursel.beck@gmx.de, Tel. 38073372 oder 0157/87404684
Utz Rockenbauch, rurockenbauch@web.de, Tel. 2626690

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