Für 29.3.2019 hatte die SWSG Oberbürgermeister Kuhn, SWSG-Aufsichtsräte, Bezirksbeiräte und Presse zu einer Jubelveranstaltung nach Zuffenhausen-Rot eingeladen. Aktive der Mieterinitiative Zuffenhausen waren vor Ort.

Selten war es am Hans-Scharoun-Platz so sauber wie am 29.3.2019. Nachdem laut Information der Mieter*innen in der Haldenrainstraße „montatelang gefährliche Drahtschlaufen“ am zerstörten Zaun des Spielplatzes trotz angeblich wöchentlicher Kontrollen nicht repariert wurden, war der gefährliche Zaun rechtzeitig zur Jubelfeier der SWSG entfernt.

 

 

Am Morgen des 29.3. 2019 war eine Firma angerückt um die völlig verdreckten Gitterroste an den Häusern des Hans-Scharoun-Platzes zu säubern. Allerdings nur die Gitterroste zu der Seite auf dem das Festzelt aufgebaut wurde. Der Spielplatz war sauber. Die Spuren des Rechens waren noch zu erkennen.

 

Auf dem Hans-Scharoun-Platz war ein Zelt aufgebaut für weit mehr Personen als der Einladung der SWSG gefolgt sind.

 

Ein Gourmet-Caterer versorgte die geladenen Gäste mit Rilling-Sekt, Kaffee und anderen Getränken sowie einem warmen Mittagesssen.

Gefeiert wurde der Bau von insgesamt 308 neuen Wohnungen in der Olnhauser-,  Auricher-, Fürfelder-  und Haldenrainstraße.

Es sollte mal wieder der Eindruck erweckt werden, dass die SWSG viel tue um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Zuffenhausen ist aber vor allem ein Beispiel, dass die SWSG bezahlbaren Wohnraum vernichtet und dafür auch noch öffentliche Gelder kassiert. Denn im Rahmen der Sozialen Stadt flossen jede Menge öffentlicher Gelder für den Abriss der Altbauten. Dadurch kam auch der Hans-Scharoun-Platz zustande. Dieser Platz mit keinerlei Aufenthaltsqualität, mit die Sonnenhitze anziehenden, dunklen Pflastersteinen, keinem einzigen Baum oder sonstigem Grün wurde von der „Sozialen Stadt“ mit einer Million Euro gefördert.

Der Hans-Scharoun-Platz wird von der SWSG  als „preisgekröntes Ortszentrum“ mit „Charakter einer Piazza“ in höchsten Tönen gelobt. Auf dem ganzen Platz in dieser neuen angeblichen Ortsmitte gibt es keine öffentliche Toilette. Es gibt auch keine einziges Cafe mit Toilette rund um den ganzen Platz. Für die Feier am 29.3.2019 wurden zwei Dixi-Klos bestellt.

 

Wir wissen nicht, wieviele Wohnungen für den Bau der Häuser am Hans-Scharoun-Platz in der Haldenrainstraße abgerissen wurden und in welchem Zustand sie waren.

Wir wissen aber, dass die Häuser in der Auricher-, Olnhauser- und Fürfelderstraße in einem guten Zustand waren und trotzdem abgerissen wurden. Hier wurden danach auch nicht mehr, sondern weniger Wohnungen gebaut.

In der Aurich/Olnhauser Straße wurden 135 Wohnungen mit Mieten zwischen 6,60 unb 8 Euro Kaltmiete abgerissen. Neu gebaut wurden nur 90 Wohnungen.

In der Fürfelder Straße wurden 40 Wohnungen abgerissen und nur 34 neu gebaut.

In der Haldenrainstraße und am Hans-Scharoun-Platz wurden 138 Wohnungen neu gebaut. Seit dem Einzug gibt es in der Haldenrain- und Brettacher Straße für die Mieter*innen jede  Menge Ärger:  völlig überteuerte Betriebskosten, durch den Technikraum verursachte extrem hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigekit im Keller (Mieter mussten sogar schon mal die Feuerwehr rufen). Viele Missstände, die laut Mietern von der SWSG nicht zügig beseitigt werden. Die Warmmieten liegen hier bei um die 13 Euro für frei finanzierte Wohnungen.

Die Kaltmieten der neuen Wohnungen liegen um ca. 2 Euro über denen, der noch gut erhaltenen Wohnungen, die abgerissen wurden. Selbst die Kaltmieten von 7,15 Euro für Sozialwohnungen liegen noch über dem Preis vieler frei finanzierten abgerissenen Wohnungen.

In der Olnhauser Straße kostet eine 83 Quadratmeter große Wohnung um die 1.000 Euro Warmmiete.

Die Mieterinitiative Zuffenhausen nahm ihr Recht in Anspruch mit Straßenkreide vor das Zelt zu schreiben, was Sache ist: „Für 300 teure neue Wohnungen reisst die SWSG 250 bezahlbare  ab“.

 

 

Die SWSG verlangte von der am Platz anwesenden Firma, die die Gitterroste reinigte, dass sie sofort unseren Schriftzug mit Wasser entfernt.

 

 

Die SWSG gehört zu denjenigen Wohnungsgesellschaften, die in Stuttgart am meisten noch bezahlbare Wohnungen durch Abriss und neubaubaugleiche Modernisierungen vernichtet und trotz immenser Gewinne kaum zusätzliche neue Wohnungen baut.

Die aufsummierten Gewinne der SWSG (nach Steuern)  in der Zeit von 2008 bis 2017 ergeben eine Summe von fast 140 Millionen Euro (139,38 Millionen). 2008 hatte die SWSG 18.031 Wohnungen. 2017 waren es 18.307 Wohnungen. Das heißt in 10 Jahren gab es nur einen erbärmlichen Zuwachs von 276 Wohnungen. Mit 140 Millionen Euro hätten in dieser Zeit 1.000 zusätzliche Neubauwohnungen finanziert werden können.

 

Artikel in der Stuttgarter Zeitung über die SWSG-Veranstaltung vom  1.4.2019