SWSG: Erst gesunde Bäume fällen, dann Häuser mit guter Bausubstanz abreißen. Beispiel Personalwohnheim Klinikum Bad Cannstatt

Das städtische Klinikum hat seine Personalwohnungen für 25,7 Millionen an die städtische SWSG verkauft. Damit werden aus Mieteinnahmen die durch Korruption, Abrechnungsbetrug  und Misswirtschaft verursachten Defizite am Klinikum finanziert. Die SWSG darf die Personalwohnungen abreissen und durch Wohnungen mit hohen Mieten ersetzen.

Anfang 2020 haben die Abholzungs- und Abrissarbeiten begonnen.

Artikel in Kontext vom 1.4.2020 „Klinik ohne Wohnungen“

Videobeitrag zum Housing-action day am 28.3.2020

 

Auf dem Luftbild aus dem Jahr 2019 sind die Bäume und Büsche zu erkennen.

 

Hier eine Aufnahme vom Sommer 2018

 

Ende Februar sind viele Bäume und Büsche abgeholzt. Und die, die jetzt noch stehen, werden ein Jahre später dem Abriss des Blocks Prießnitzweg 18 später verschwinden.

 

 

Trotz Personalnot im Klinikum – Zahl der Personalwohnungen wird halbiert

Der Verkauf der Wohnungen des Klinikums ist mit einer dramatischem Abbau von Personalwohnungen verbunden. Im Jahr 2004 gab es noch 1.590 Personalwohnungen für die 7.000 Beschäftigten des Klinikums. Bis 2024 sollen nur noch 790 übrig sein. Das Wohnheim Lenzhalde 35 wird der SWSG für den Bau von anderen Wohnungen, möglicherweise sogar für Eigentumswohnungen,  „überlassen“. So hat es die Mehrheit im Gemeinderat beschlossen.

Der Redakteur Jörg Nauke von der Stuttgarter Zeitung spricht im Zusammenhang mit dem Verkauf der Personalwohnungen in einem Artikel vom 3.2.2019 vom „nächsten Skandal am Klinikum Stuttgart“. Er stellt fest: „Die Rathauselite will einfach nicht verstehen, dass ärmeren Mitbürgern eine günstige Wohnung viel wichtiger ist als eine teuer modernisierte“. Das ist die eine Interpretation. Die andere Interpretation ist, dass die Rathauselite bewußt Gering- und Normalverdiener aus der Stadt hinausbauen will. Und wenn es im Klinikum Personalnotstand gibt, setzen sie darauf, dass sie als Privatpatienten nicht davon betroffen sind.

Hier der Artikel in der Stuttgarter Zeitung vom 3.2.2020 „Der nächste Skandal am Klinikum Stuttgart

Artikel in Stuttgarter Zeitung über Aufstand gegen Abrissvom 3.2.2019

Artikel in den Stuttgarter Nachrichten vom 4.2.2019 „Vertreibt die Stadt ihr Pflegepersonal“

Artikel in der Stuttgarter Zeitung vom 8.2.2019 über Auseinandersetzung um Abriss

Trotz guter Bausubstanz werden Wohnhäuser im Prießnitzweg abgerissen

Die Wohnheime im Prießnitzweg 18 – 22 wurden von Ende der 60er bis Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gebaut. Jahrzehntelang lang wurde die Instandhaltung vernachlässigt. Die Häuser im Prießnitzweg haben alle eine gute Bausubstanz und könnten nach einem Architekten, der im Auftrag der SWSG-Mieterinitiative die Häuser begutachtet hat,  für 2,6 Millionen Euro modernisiert werden. Zusätzlich könnte durch ein Aufstockung zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden. Das würde laut dem Architekten dann insgesamt um die zehn Millionen Euro kosten.

Die SWSG will für  Abriss-, Neubau- und Modernisierungkosten 73,05 Millionen Euro in die Personalwohnungen im Prießnitzweg und an anderen Standorten investieren (zusätzlich zu dem Ankaufspreis von 25,7 Millionen) und dies zu 70% mit Fremdkapital finanzieren.

Ein hoher Anteil dieser Kosten entfällt auf die Häuser im Prießnitzweg am Cannstatter Krankenhaus. Allein für den Kauf der Häuser samt Grundstücken hat die SWSG 11,05 Millionen Euro bezahlt.

Die Neubaumieten im Prießnitzweg sollen bei 12,90 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter plus 3,35 Euro Nebenkosten liegen und sollen vom Klinikum heruntersubventioniert werden.

Während der Bauzeit reduziert sich die Zahl der Wohnheimplätze am Klinikum auf 555 im Jahr 2021. Erst ab 2024 stehen 790 Wohnungen für 7.000 Beschäftigte zur Verfügung. Wen wundert es wenn der Personalmangel am Klinikum immer schlimmer wird. Im Frühjahr 2020 sind 200 Pflegestellen am Klinikum nicht besetzt. Der Mangel an bezahlbaren Wohnungen bzw.  Personalwohnungen in unmittelbarer Nähe des Klinikums ist ein wesentlicher Grund dafür.

Der eigentlich Grund des Abrisses der Personalwohnheime im Prießnitzweg ist der geplante Bau einer Tiefgarage mit 189 Stellplätzen für noch mehr Autoverkehr.

Der Abriss der Personalwohnungen ist aus sozialer und ökologischer Sicht ein Verbrechen. Die SWSG-Mieterinitiative hat mit Bewohner*innen gegen den Abriss/Neubau gekämpft. Im Gemeinderat und Aufsichtsrat der SWSG wurden wir dabei nur von Vertretern der Fraktion SÖS-LINKE-PluS unterstützt.

Siehe auch unseren Beitrag „Abrisswahn erreicht Personalwohnheime des Klinikums“ vom 4.2.2019 auf unserer website.